Schreibtage/ Album 2019


Tag 1
Start/
Ich lege sofort los, neue Idee am Klavier

Tag 2
Gewöhne mich an die Stille/ Schreibe an zwei Songs gleichzeitig
Muss mich erst zurechtfinden, überall Zettel, brauche Übersicht.
Spiele den ganzen Tag Klavier, suche nach Melodien…

Tag 3
Bin angekommen. Das Schreiben geht nun leichter von der Hand, abends freue ich mich aufs morgendliche Weiterdichten (stehe sogar extra früh auf). Zwei Handvoll Verse kamen mir auf der Zugfahrt hierher (ich befinde mich am Rande von Berlin in einem Haus mit Klavier), die Gedanken kamen ganz unerwartet, ich stand am Bahnhof, verabschiedete mich von meinem Mann und Kindern, stieg in den Zug, wurde schlagartig in meine Kindheit zurückkatapultiert, direkt am Klavier weitergeschrieben (Achterbahn der Gefühle/ Musik= Selbsttherapie). Viele Stunden am Klavier verbracht, Zeit für einen Spaziergang…

Tag 4
Schreibflow/ Neues Lied geschrieben über Verlustängste. Arbeite vor allem an Texten und verfeinere Melodien. Vervollständige Lieder, die schon länger in Schubladen in vollgekrizzelten Heften auf ihre Entdeckung warten. Musik zu kreieren ist wirklich ein Teil von mir, den ich vernachlässigt habe, weil ich zu beschäftigt bin. Hier in diesem Haus gilt meine ganze Aufmerksamkeit dem Schreiben. Es ist befreiend sich einer Sache zu widmen.
Von schlichten Akkorden grabe ich mich nun tiefer in kleine Tonfolgen für die es Zeit und Geduld braucht, stosse dabei auf zarte, fragile Gesangslinien, manchmal fast zu niedlich, könnte an manchen Stellen düsterer klingen. Nehme jetzt vermehrt die Gitarre zur Hand.

Tag 5
Kühle Luft strömt durch die Terassentür, hinter der Hecke lugt die Sonne hervor…ich sitze die meiste Zeit am Klavier oder feile an Versen, die überall auf Notizblättern auf dem Boden vor mir ausgebreitet sind. Machmal weiss ich nicht, wo ich anfangen soll zwischen den zahlreichen Skizzen. Ich habe mir eine Liste mit meinen 30 Song-Favoriten fürs Album gemacht, versuche mich daran zu halten, um mir einen Weg durch das Dickicht zu schlagen. Für „Shadow Of A Mountain“ nehme ich Garageband dazu, um zu hören, wie der Song mit mehreren Instrumten klingen könnte. Spiele Gitarre, Orgeln, programmiere einen Beat, singe mehrere Stimmen, das Lied klingt jetzt völlig anderes, ich weiss gar nicht so recht, ob es mir noch gefällt, hege Zweifel, ob es ein guter Song ist. Ärgere mich, dass ich zuviel Zeit mit dem Einspielen/Aufnehmen verbracht habe für ein Lied, bei dem ich mir jetzt unsicher bin. Die Zeit ist kostbar, habe nur noch zwei Tage hier. Auf und Ab der Gefühle.

Tag 6
Mehr Herz/ Sich in etwas zu vertiefen bedeutet volle Aufmerksamkeit. Das Schreiben kostet meine ganze Energie. Es ist aufregend, wenn sich neue Melodien auftun und Textzeilen plötzlich genau auf die Melodie passen- wenn nach stundenlangem Tüffteln alles zu einem Lied zusammenkommt. Beim Vertiefen in die Lieder, beim anordnen, ausbauen, Worte in Töne setzten usw. betrete ich unerschöpfliches Terrain, endlosen Einfallsreichtum, Befreiung der Gedanken. Hier in der Schreibzeit mischen sich die Gedanken schnell wieder ein, das Schreiben besteht vor allem aus Arbeit, ich möchte nochmehr loslassen, gelingt mir nicht ganz. Habe heute unzählige Versuche gestartet Worte und Melodien zusammenzubringen, kein A-HA Erlebnis in Sicht.
Erinnere mich an die Lieder, die ich fast nebenbei im Kinderzimmer schrieb, während unsere Kinder spielten („Rambling Path“, „Lovesongs“).
Lieder, die ungehindert aus meinem Herzen aufs Blatt flossen.

Tag 7
Resume/ Schreibtage waren erfinderisch, bin auf viel Neues gestossen, ein paar sehr schöne Melodien, konnte 8 Songs fertigschreiben und ein neues Lied ist entstanden. Ich glaube das noch andere, wegweisende Songs folgen- direkt vom Herzen aufs Papier und weiter, ich versuche zu (zu)hören, zu suchen und zu finden.

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